Erfahrungsbericht von Kevin Schmengler:

Durch meine Teilnahme an der proMINat-Studierendenakademie 2017 im Forschungszentrum Jülich habe ich viele Erkenntnisse über Vorgehensweisen in der Forschungsarbeit, sowie auch einige berufliche Perspektiven aufgezeigt bekommen und konnte somit einiges aus der schnell vergangenen Woche mit nach Hause nehmen. Im folgenden Bericht werde ich meine Eindrücke und Erfahrungen in der Woche darstellen und letztlich zu einem Fazit kommen, in wie weit sich meinerwartungen und Hoffnungen hinsichtlich des Praktikums erfüllt haben oder nicht. Die Woche begann mit der Anreise nach Jülich am Sonntag, den 25.06.2017. Ich selbst reiste mit dem PKW an, da es aber auch einige Teilnehmer gab, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhren, war der Bahnhof Jülich als Treffpunkt für alle ausgemacht worden. Am Bahnhof angekommen dauerte es noch ein paar Minuten bis alle da waren, aber gegen kurz nach 15 Uhr waren wir dann vollzählig.Mit etwas Koordination schafften wir es dann auch alle 10 Personen samt Gepäck auf die vier zur Verfügung stehenden Autos zu verteilen und machten uns anschließend auf den Weg zur Unterkunft. Diese war nur wenige Kilometer vom Bahnhof entfernt und so ging auch auf dem Weg niemand verloren.


 An der Unterkunft angekommen verschnauften wir kurz und im Anschluss teilten uns unsere Betreuer Fr. Heike Haase und Herr Jan Schmidt den weiteren Tagesablauf mit. Dieser gestaltete sich in Form eines Spaziergangs, wo wir erste Gespräche mit den anderen Teilnehmern führen konnten. Bereits hier fiel mir auf, dass mir alle anderen Teilnehmer sehr sympathisch waren und sich alle von Anfang an angeregt miteinander unterhielten. Aber dazu später mehr. Der Spaziergang endete in einem schönen kleinen Biergarten, wo zunächst einmal kalte Erfrischungen bestellt wurden. Nach einem lustigen Kennenlerngespräch machten wir uns dann auf den Rückweg zur Unterkunft, wo wir dann die Zimmeraufteilung organisierten und anschließend unser Gepäck auf den Zimmern verstauten. Untergebracht waren wir im Haus Overbach in Barmen in Doppelzimmern. Diese waren, auch wenn die Farbgebung in hellgrün etwas fragwürdig war, ordentlich, sauber und vom Komfort her für eine Woche völlig ausreichend. Anschließend gab es das erste gemeinsame Essen im Haus Overbach. Das Essen war sehr lecker und bei niemandem blieb ein Wunsch offen. Nach dem Abendessen trafen wir uns um 19.15 Uhr wieder im Gemeinschaftsraum der Unterkunft und setzten uns zu einer Tagesabschlussrunde zusammen, was ab da zur täglichen Routine wurde. In der Abschlussrunde sprachen wir über unsere Hoffnunge und Erwartungen von der bevorstehenden Woche und diese fielen bei allen durchweg positiv aus. Ob die Eindrücke nach der Woche noch immer diesen Vorstellungen entsprachen dazu später mehr.
Unser Grüppchen fand sich nun recht spontan draußen vorm Haus Overbach wieder und auch hier fanden sich recht schnell wieder Gesprächsthemen und die Stimmung war generell sehr gut. Die Gruppe entschied sich dann noch einen weiteren gemeinsamen Spaziergang zu machen und so stiefelten wir zusammen los. Zunächst liefen wir recht planlos durch den kleinen Ort, doch nachdem wir uns etwas durchgefragt hatten erfuhren wir von einem Wasserschloss, welches sich in der Nähe befinden sollte. Nachdem wir das Schloss besichtigt hatten und ein paar schöne Fotos von unserer Gruppe gemacht hatten, gingen wir noch etwas weiter einen Feldweg entlang und beschlossen dann uns auf den Rückweg zum Haus Overbach zu machen. Am nächsten Tag ging es dann endlich los zum Forschungszentrum. Wir fuhren alle gemeinsam von der Unterkunft los und trafen uns am JuLAB Schülerlabor, wo wir sehr nett von den Mitarbeiterinnen empfangen wurden, welche uns dann auch erste Informationen über das Forschungszentrum Jülich gaben. Anschließend machten wir eine Rundfahrt in einem Reisebus, während die Mitarbeiterin (Melina Burghardt) über ein Mikrofon die Fahrt mit interessanten Details über die jeweiligen Institute kommentierte. Nun wurde mir auch die enorme Größe des Forschungszentrums bewusst. Mir kam es fast vor als wären wir in einer anderen Stadt und es war wirklich ein beeindruckender erster Eindruck. Nach der Rundfahrt aßen wir dann gemeinsam im Seecasino Restaurant zu Mittag. Es gab ein üppiges Buffet mit täglich wechselnden Gerichten. Wir hatten für die Woche Gutscheine für das Buffet bekommen, die einen Wert von 7 € hatten, was immer ausreichend war. Ich war immer sehr gut gesättigt und zufrieden. Wie bei den anderen auch, wurde ich zusammen mit einer der anderen Teilnehmerinnen dem selben Institut zugeteilt. In meinem Fall war dies das Jülich Supercomputing Center (JSC) in der Abteilung IAS (Institute for Advanced Simulation). Ich wurde zusammen mit Marina nach dem Mittagessen von unserem Betreuer Dr. Maik Boltes beim Seecasino abgeholt und wir machten uns auf den Weg zum JSC. Dort angekommen besichtigten wir erst einmal den Supercomputer, bzw. die Supercomputer JUQUEEN und JURECA, die eine riesige Halle mit eigener Stromversorgung, sowie eine eigene Wasserkühlung benötigen. Der Anblick einer solchen Rechenanlage war sehr beeindruckend und an diesem Punkt hatte sich auf jeden Fall einer meiner Erwartungen an die Praktikumswoche voll und ganz erfüllt.

Die Anzahl an möglichen Rechenoperationen, die der Supercomputer leisten kann fasziniert mich und es war sehr interessant unserem Betreuer Maik, der uns auch sofort das Du angeboten hat, zuzuhören, wie er über den Aufbau und die Funktion des Supercomputers erzählte. Daraufhin suchten wir uns ein leeres Büro, wo uns Maik etwas mehr über seine Tätigkeiten in der Abteilung erzählte und dies mit einigen Bildern und Folien in einer Präsentation veranschaulichte. Die Abteilung beschäftigt sich mit Fußgänger-, Brand- und Verkehrsflussdynamiken, was Marina und mich zuerst etwas verwunderte, da man sich unter diesen Begriffen zunächst nicht so richtig viel vorstellen kann. Je mehr Maik jedoch erklärte und auch ein paar Beispiele zeigte, desto mehr wurde mir klar, wie wichtig es ist in dieser Richtung zu forschen. Mit Fußgängerdynamiken sind Verhaltensweisen von Fußgängern in verschiedenen Situationen gemeint. Wie verhalten sich zum Beispiel Personen in einer Menschenmenge, wenn diese eine Engstelle, wie etwa auf Veranstaltungen oder Konzerten passieren muss. Durch die Simulation mit entsprechender Software können Erkenntnisse gewonnen werden, wie man Veranstaltungsplätze oder auch Flucht- und Rettungswege besser planen kann, um Paniken und Unfälle zu vermeiden.
Ich war nun noch begeisterter als vorher und wollte unbedingt mehr über die Simulationen und die dazu verwendete Software erfahren. Glücklicherweise lies dies nicht allzu lang auf sich warten, da wir nun rüber in das gegenüber liegende Gebäude gingen und dort den anderen Mitarbeitern der Abteilung vorgestellt wurden. Alle waren sehr freundlich und wir wurden herzlich empfangen und direkt auf einen Kaffee eingeladen. :)
Nun lernten wir auch den zweiten unserer Betreuer kennen : Dr. Mohcine Chraibi.
Dr. Mohcine Chraibi hat uns die Software JuPedSim, welche von der Abteilung selbst Entwickelt wurde, vorgestellt und gezeigt wie man mit ihr arbeitet. Auch Mohcine hat sich sehr viel Zeit genommen und alle unsere Fragen beantwortet, sodass wir eine sehr gute Einführung in die Software bekamen. Am Nachmittag konnten wir dann selbst anhand einiger Übungsaufgaben, die uns Mohcine zusammengestellt hatte, mit der Software arbeiten. Ich fand es toll, dass sich so viele Gedanken gemacht wurden, damit wir möglichst viele Eindrücke aus der Woche mitnehmen und uns ein gutes Bild von der Arbeit im Institut machen können. Marina und ich arbeiteten noch etwas mit der Software und den Übungsaufgaben und dann war es auch schon wieder 17 Uhr und wir trafen uns mit den anderen Teilnehmern am JULab und fuhren von dort wie immer gemeinsam zurück zum Haus Overbach.
Zusammenfassend war der erste Tag im Forschungszentrum sehr mit Informationen vollgepackt, die es erst einmal zu verarbeiten galt, aber gerade dieses Nachwirken der Erlebnisse macht meiner Meinung nach die Erfahrung noch einzigartiger. Am Abend gab es dann auch nur noch das Abendessen und die Abschlussrunde, in der alle über ihre durchweg positiven Eindrücke des ersten Tags berichteten. Am nächsten Tag hatten wir die Möglichkeit am Morgen einen Vortrag über das Human-Brain-Project im Forschungszentrum Jülich zu hören. In diesem Projekt soll ein 3DAtlas des menschlichen Gehirns erstellt werden, um auch die verschiedenen Funktionen den einzelnen Bereichen im Gehirn zuordnen zu können. Der Vortrag war anfangs für circa eine Stunde geplant, artete jedoch aufgrund unserer vielen Fragen etwas aus und so erhielten wir zusätzlich auch noch viele Informationen zu dem dualen Studiengang des Mathematisch-technischen-Softwareentwicklers (MATSE), der mich persönlich sehr interessiert. Durch die umfangreichen Erläuterungen des Ausbildungsleiters (Prof. Paul Jansen) hat sich mein Interesse an dem Studiengang noch mehr gefestigt und ich habe mich, um es kurz zu machen, nach dem Praktikum auf selbigen zum September 2018 beworben.

Somit hatte sich tatsächlich meine größte Erwartung an das Praktikum erfüllt : Ich habe eine Berufsperspektive in der Forschungsarbeit gefunden und bin mir sehr sicher, dass ich sowohl eine außerordentlich gute Ausbildung im Forschungszentrum, als auch hervorragende Jobaussichten erwarten kann, sollte es mit dem Platz für 2018 klappen. Um 15.30 Uhr begann dann die Diskussionsrunde im JuLab. Es waren zwei Mitarbeiter des INM-8 (Institiut für Neurowissenschaften und Medizin) (Birgit Beck, Bert Heinrichs), und ein Mitarbeiter des IBG-2(Institut für Bio- und Geowissenschaften) (Sven Fahrner) an der Diskussion beteiligt und deren Beiträge zu den ethischen Fragen zur
Forschungsarbeit und vor allem zu der Definition des Verantwortungsbegriffs regten die Konversation an und alle nahmen auch angeregt daran teil. Zuvor hatte ich Bedenken, dass die Diskussion etwas lahm werden könnte, jedoch bestätigte sich dies glücklicherweise nicht. Es war eine interessante Erfahrung, die ich nicht missen will. Am Donnerstag gab es nochmal ein persönliches Highlight: Dieses ereignete sich nach dem Mittagessen. Überraschend wurden Marina und ich eingeladen an einem Division-Meeting des IAS teilzunehmen. Wir konnten es kaum glauben und sagten natürlich zu.
In dem Meeting, welches auf Englisch abgehalten wurde, wurden die aktuellen Projekte und Forschungsfortschritte aller Mitarbeiter vorgestellt und besprochen. Marina und ich wurden sehr gut in die Gruppe integriert und haben uns allen vorgestellt und erzählt, wo wir herkommen und wie wir zu dem Praktikum gekommen sind. Alle hörten gespannt zu und man hatte das Gefühl ein Teil der Gruppe zu sein. Es war eine tolle Erfahrung an solch einem Meeting teilzunehmen und ich bin dankbar, dass uns dies ermöglicht wurde.
Der Donnerstag war auf jeden Fall ein sehr aufregender Tag, der nur noch den perfekten Abschluss suchte. Auch hier sollten wir nicht enttäuscht werden, denn am Abend trafen wir uns noch mit Wietold, der in einem Science-Lab arbeitet, was sich genau gegenüber von unserer Unterkunft befand. Wietold ging mit uns aufs Dach und wir konnten durch ein Teleskop den Mond und sogar den Jupiter betrachten. Das war ein absolut einmaliges Erlebnis und rundete ddiesen Tag perfekt ab. Amazing !!! Hier wären wir nun schon am letzten Tag angekommen. Der Freitag begann wie immer mit dem gemeinsamen Frühstück im Haus Overbach und im Anschluss zogen wir aus den Zimmern aus und packten unser Gepäck schon einmal in die Autos, da wir laut Plan später direkt vom Forschungszentrum die Heimreise antreten sollten. Zuerst besichtigten wir mit der gesamten Gruppe aber noch die Algenanlage und den COSY Teilchenbeschleuniger. Beides war in typischer Jülich-Manier sehr interessant und gab einen Einblick in derartige Einrichtungen, welcher einem normalerweise verwehrt wird. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen trafen wir uns noch einmal im JuLab, wo zunächst ein Gruppenfoto von allen Teilnehmern und Betreuern gemacht wurde und dann nochmal in netter Runde bei Kaffee und Kuchen alle Eindrücke in einem Abschlussgespräch betont wurden. Kommen wir nun zu einem abschließenden Fazit: Die Woche in Jülich der ProMinat Studierendenakademie hat meine Erwartungen eher übertroffen als nur erfüllt. Nicht nur die Tatsache, dass mein Wunschinstitut genau das war, welchem ich zugewiesen wurde und ich dort nun Aussicht auf einen Platz für einen dualen Studiengang und somit auch auf gute Berufsperspektiven habe, auch die generelle Organisation und der Ablauf der geplanten Termine verlief nahezu reibungslos und ohne Zwischenfälle. Somit fällt mein Fazit sehr positiv aus und ich kann nur jedem, der die Möglichkeit bekommt an der ProMinat Studierendenakademie teilzunehmen, diese wahrzunehmen, denn es wird eine einzigartige Erfahrung für jeden wissenschaftsinteressierten Menschen sein und das Forschungszentrum Jülich bietet viele interessante Fachbereiche, die meiner Meinung nach für jeden Typ Mensch faszinierend sind.